Machen!

Andreas Ruby: Die Holcim Awards sollen guten Ideen zum Durchbruch und im besten Fall sogar zur Realisierung verhelfen. In den Diskussionen wollen wir deshalb das Thema der Ausstellung, nämlich das Machen, in den Fokus stellen. Das Projekt Flussbad ist bereits vor über zehn Jahren entstanden – und zwar aus einem direkten Nut- zungszusammenhang. Tim Edler, Ihr erstes Büro „Kunst und Technik“ lag damals direkt an der Spree. Wahrscheinlich haben Sie den einen oder anderen Abend am Ufer gesessen und sich gefragt, warum man eigentlich nur die Zehenspitzen ins Wasser stecken darf. Weshalb hat es in Berlin so lange gedauert, bis verstanden wurde, dass das Flussbad eigentlich eine gute Idee sein könnte? Tim Edler: Es ist sicher so, dass wir selbst an erster Stelle mit dafür verantwortlich sind, dass es mit dem Flussbad so langsam voran ging. Nach der Erstveröffentlichung haben wir viel zu wenig Druck entwickelt – wahrscheinlich weil wir ge- spürt haben, dass es zu dieser Zeit noch kein reifes Thema war. In den letzten anderthalb bis zwei Jahren hat sich in der Stadt Berlin aber Entschei- dendes verändert, auch in den Besetzungen politi- scher Ämter. Wir wurden von verschiedenen Stellen auf das Flussbad angesprochen und haben darauf hin selbst erst wieder mit einem anderen Blick auf das Projekt geschaut. Jetzt ist wieder Bewegung in das Projekt gekommen – natürlich vor allem durch die Holcim Awards ausgelöst. Wenn eine unabhängige Jury aus über 6000 Einsendungen so eine Idee auswählt und mit einem hochdotierten Preis auszeichnet, ändert sich der Blick. Der Tenor aus Berlin war bis dahin immer eher misstrauisch. Das hat sich nun ein- deutig geändert – insofern ist eine erste Hürde überwunden. Andreas Ruby: Wie verhält sich denn die Stadt Berlin zu dem Projekt? Es werden ja nun eine Menge Investitionen in die verspätete Eröffnung des Flughafens Schönefeld f ließen – Gelder werden also kaum sprudeln. Eine große Unterstützung könnte es aber sein, den Paragraphendschungel für das Flussbad zu lichten. Wie ist denn die Reaktion auf Ihr Projekt? Tim Edler: Man kann bei der Berliner Senatsbau- direktorin Regula Lüscher eindeutig ein großes Wohlwollen feststellen, aber die Ampel steht noch lange nicht auf Grün. Das liegt jedoch vor allem daran, dass nicht alle Entscheidungsträger aus Berlin sind; die Spree gehört ja dem Bund. diskussion nr. 1 savoir vivre: wie man die Stadt so (um-)baut, dass sie verschiedene Lebensstile ermöglicht matthias sauerbruch (sauerbruch hutton) und tim edler (realities:united) im gespräch mit andreas ruby 13. Juli 2012, aedes network campus berlin 94

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