Machen!

6 Da ist dieses Wort und so richtig weiß man nicht, was man damit anfan- gen soll. Kein Wunder – es ist auch ein abstrakter Begriff, der noch nicht mal besonders schön klingt. Nachhaltigkeit. Die ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammende Definition – sie taucht erstmalig 1795 auf, als der deutsche Botaniker Georg Ludwig Hartig über den schonenden Um- gang der Forstbestände schreibt – erweist sich heute oft als schwammig, trügerisch, manchmal sogar abschreckend. Zu viel wird das Wort Nach- haltigkeit benutzt, taucht in allen möglichen Kontexten immer wieder auf und ist ein Trend geworden. Hinzu kommen Etikettenschwindel und Greenwashing, die den Begriff noch diffuser werden lassen. Genau da liegt das Problem: Nachhaltigkeit ist und bleibt eine große Unbekannte, die immer wieder aufs Neue erforscht werden will. Auch in der Architektur wird viel von Nachhaltigkeit gesprochen. Mittlerweile zählt es sogar zu einer der wesentlichen Aufgaben der Archi- tekten, nachhaltige Gebäude entwerfen. Selbstverständlich ist nachhaltiges Planen und Bauen jedoch noch nicht. Auch hier muss immer besonders betont werden, dass ein Neubau ein Passivhaus ist, Solarpaneele auf dem Dach hat oder mit Geothermie beheizt wird. Ganz so einfach ist es nicht. Um neue Konzepte für eine nachhaltige Architektur und Stadtentwick- lung zu finden, darf man sich nicht einfach bewährter Systeme und geprüfter Tabellen bedienen – das ist ein gut gemeinter Ansatz, leider die falsche Einstellung. Man muss zunächst die ganzheitlichen Zusammen- hänge verstehen – Nachhaltigkeit ist ein Lernprozess und eine Frage der Haltung. Das trifft besonders auf die deutsche Architektur zu. Ohne Zweifel ein Vorreiter des nachhaltigen Bauens weltweit, hat diese jegliche Kinder- krankheiten des nachhaltigen Bauens früher durchgemacht als andere Länder. Dazu zählt auch die Vorstellung, Nachhaltigkeit habe vorrangig etwas mit Technologie zu tun. Diese von der britischen High-Tech-Archi- tektur der 80er Jahre inspirierte Haltung hatte in Deutschland ihre Blütezeit in den Neunziger Jahren. Architekten gerieten über die Möglich- keiten von Photovoltaik, Doppelfassaden und Co in weltverbesserisches Schwärmen. Dass all diese Apparate nicht nur Energie einsparen, sondern für ihre Herstellung zunächst auch welche verbrauchen, war damals nur wenigen bewusst. Diese graue Energie ist heute ein wesentliches Kriteri- um in der Beurteilung, ob ein Gebäude nachhaltig ist. Ebenso wird auch erst heute hinterfragt, inwiefern sich die in Verbundwerkstoffen enthalte- nen Elemente wieder trennen und in anderen Zusammenhängen wieder verwenden lassen – oder, ob sie im Abrissfall ein Sondermüllentsorgungs- nachhaltigkeit entwerfen

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